Läba sodd ma, als kennd mr jedn Dag schdärba, ond hausa, als däd mr ewig läba!

Bruddeln und Brägeln


Wenn der Schwabe grantig  ist (also noch schlechter gelaunt, als üblich), dann bruddelt oder brägelt er. Das sind zwei vergleichsweise geräuscharme Möglichkeiten, seinen Unmut anhaltend und auffallend kundzutun.

Wenn der Zorn in ihm hoch kocht, kann auch der Schwabe fuchsteufelswild (Hebad me, i vergess me!) und ziemlich laut werden. Solche Temperamentsausbrüche sind bei ihm zwar nicht auszuschließen, doch neigt er eher zu verhalteneren, dafür aber umso anhaltenderen Unmutsäußerungen, etwa zum Bruddeln.

Diese Verhaltensweise bevorzugt er, wo kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht, wenn ihm etwas zwar nicht passt, er jedoch lautstarken Protest für sinnlos und übertrieben hält. 'Do ko mr hald nix macha, s'isch wias isch!'

Da bruddelt er dann lieber -  oder brägelt vor sich hin, a bissle.

Bruddeln hilft, wenn man nicht ganz, sondern nur halb narrad (also ein wenig wütend) ist und ein Ventil benötigt.

Es ist introvertierter als das Schimpfen, ähnelt dem Schmollen, welches allerdings auch lautlos zu bewerkstelligen ist. Im Gegensatz dazu ist das Bruddeln mit verbalen Äußerungen verbunden, die jedoch eher an sich selbst als an ein Publikum gerichtet sind.

Man sagt daher auch 'vor sich na bruddla': Die Umwelt soll ruhig mitbekommen, dass man sich über etwas oder jemanden ärgert, doch liegt es nicht in der Absicht des Bruddelnden, sich auf Diskussionen über die Gründe seines Unmuts einzulassen.

Er belässt es dabei, sein Mißfallen kundzutun und schließt diese Äußerung gerne ab mit dem Satz 'Ha, isch doch abbr au wahr!' - Ist er versöhnlich gestimmt, hängt er noch ein 'Oddr?' an.

Brägeln ist eine variable Vorstufe des Bruddelns - variabel deswegen, weil sie nicht nur dazu dienen kann, ein Nichtgefallen, sondern auch einen Mangel mitzuteilen: die Unfähigkeit, sich kurz und prägnant auszudrücken.


Die latent melancholische Seite des Schwaben, seine Sentimentalität und sein verstecktes Selbstmitleid führen dabei die Zunge. Nichts und niemand kann ihn in dieser Stimmung aufmuntern, er ist mit Gott und der Welt und besonders mit sich selbst uneins -  und das leider viel zu häufig.


Es ist aber nicht nur die Wortwahl entscheidend, ganz wesentlich bestimmt beim Schwaben auch der Ton die Musik. Was in den Ohren eines 'Reigschmeckten' schroff oder beleidigend klingt, kann sich für einen Schwaben ganz anders anhören.

Schwäbische Grobheiten sind selten 'so gmoind', das gilt vor allem, wenn Schwaben sich gegenseitig beschimpfen.


Fremden gegenüber tritt der Schwabe anders auf. Dann ist er erstens zurückhaltender und zweitens direkter. Er weiß schließlich aus Erfahrung, dass sein Gegenüber die Feinheiten schwäbischer Schimpffertigkeit nicht beherrscht und wird ihn daher (mitleidig) schonen oder gnadenlos anbruddeln.


So hat zum Beispiel 'Du Seggl' einem Landsmann gegenüber gesagt einen ganz anderen Stellenwert als 'Sie Idiot' gegenüber einem Nichtschwaben.

Übrigens gilt 'Seggl' (=Seckel) als das meistgebrauchte schwäbische Schimpfwort überhaupt. Man kennt es in unzähligen Variationen, vom rabiaten 'Schofseggl' über den derben 'Granadaseggl' bis zum gutmütigen 'Seggalesbegg'.


Dazu schrieb mir am 21.5.2002 Frau Doris Supper:

... Habe eine Bemerkung für die Seite Schimpfen und bruddeln. Sie schreiben Seggl wäre das meistgebrauchte Schimpfwort im Schwäbischen.
Dazu möchte ich Ihnen sagen ..es gibt eine Ausnahme, in Pforzheim ist Seckel kein Schimpfwort, sondern ein Kompliment.
Die Pforzheimer werde auch 'Seckel' genannt..es gibt sogar eine Bronzefigur auf dem Rathausplatz..der Pforzheimer Seckel..
Warum Seckel ein Kompliment ist...kommt aus der Goldindustrie,,,,wenn die Goldschmiede (oder Duplemacher) ihr 'Säckel' voll hatten (voll Geld bzw. Lohn) waren sie angesehene Leute. War es aber nur halbvoll..war der
Verdienst nicht so gut, deshalb ist 'Halbseggl' ein schlimmes Schimpfwort
im Gegensatz zu Seggl... ( in Pforzheim)... Ok zugegeben Pforza isch badisch....
Das schreib ich ihnen aber alles ohne Gewähr....ich habs halt so mal
gehört...das mit der Bronzefigur stimmt aber,,,die steht da...

Ähnlich variantenreich wird das Wort 'Daggl' (=Dackel) verwendet.
Da gibt es den 'Allmachtsdaggl', den 'Saudaggl', den 'Jenseidsdaggl' und den 'Volldaggl'. Die schlimmste Form der Beschimpfung aber ist der 'Halbdaggl', das ist einer, bei dem es nicht einmal zum Daggl reicht.


Zum Thema 'Dackel' habe ich einen Stoßseufzer auf Englisch gefunden:

In my German class, I'm learning Hochdeutsch, but I can't help but pick up a little bit of Swabish here and there. The latest little morsel I've learned is that anything having to do with the word Dackel (daschund, weiner dog) in Swabish is an insult along the lines of stupid, or dumb-ass. "Dackel" alone is not so bad... it just means, as far as I can tell, silly or dumb. But you can add a whole bunch of words to "Dackel' to make it more specifically insulting. For example, you could call someone an "Allmachtsdackel," which means omnipotent daschund. Or ""Saudackel," which means sow daschund. Or "Grasdackel," which translates to grass daschund. And then there's the "Halbdackel." This is the most insulting of the bunch. It means half-daschund, and apparently if you call someone a Halbdackel, you're not referring to the half with the pointy nose and cute floppy ears!

I actually see quite a few people here out walking their daschunds. So I don't quite understand why this harmless little hound plays such a prominent role in Swabish insults. Why is it such a put-down to be called half a weiner dog? Is this breed particularly pea-brained or something? I happen to think that they're kind of cute, but that's just me..

Ja, es ist nicht leicht, uns Schwaben zu verstehen...


Wenn es mal Nichts zum bruddeln oder brägeln gibt, dann findet sich bestimmt etwas, über das man sich 'mokiera', also ärgern, kann. Eines der wenigen Worte übrigens, bei denen der Schwabe ein 'k' spricht.

Mokiera kann man sich über alles: Wie der Nachbar sein Auto abstellt, die grün-schwarze Landesregierung oder dass Frau Häberle schon wieder die Kehrwoche nicht gemacht hat, also über die Dinge, die einen 'saumässig' ärgern, aber die man leider nicht ändern kann.


Aus Schwäbisch Gmünd kenne ich auch noch den Ausdruck 'sich alderiera', im Sinne von sich ereifern. 'Der soll sich nedd so alderiera, sei Frau hodd doch au a ledigs Kend ghedd', wäre so ein typischer Satz ...


Zum Glück halten die Brägel-, Bruddel- und Mokier-Phasen nicht allzu lange vor, der Trübsinn weicht und der Schwabe beginnt von neuem, lustvoll, kreativ und wortgewandt zu schimpfen oder zu fluchen.


Heilandzack, des müssad dr fei glauba, sonsch werde afanga bees!

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