Schee ond guad, senn selda ondr oim Huad.

Schwäbische Anekdoten II


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Ich liebe und verehre eine ganze Reihe von schwäbischen Anekdoten, weil sie so treffend bestimmte Sachverhalte auf den Punkt bringen. Außerdem lockern sie so manches Gespräch bestens auf ..

Schlagfertigkeit

Als die Mätresse des Herzogs von Württemberg ins Kirchengebet aufgenommen werden wollte, sagte ihr der Oberhofprediger, sie sei doch schon drin, nämlich in der siebten Bitte des Vaterunsers: '.. und erleese ons von dem Iebel.' (und erlöse uns von dem Übel.)


Der erste der vier württembergischen Könige war ein harter Herr, der es seinem Volk nicht leicht machte. Das Auswandern, vor allem nach Russland, nahm große Ausmaße an, die sogar dem König auffielen. Da ließ er den Gründer der Korntaler Brüdergemeinde kommen und fragte ihn, was er tun müsse, damit nicht die besten Landeskinder auswandern. 'Da misst Majeschdäd selbschd auswandara!', erwiderte dieser trocken.


Bruddeln


An einem recht stürmischen Tag wollte eine Bauersfrau ihren Mann, der bei dem 'Sauweddr' auf dem Feld arbeiten musste, mit einer Nudelsuppe überraschen. Gesagt, getan und sie bringt die Suppe, mit einem Tuch heiß gehalten, zu ihrem Mann. Dieser setze sich auf einen Stein und begann hungrig die Suppe zu löffeln.
Der starke Wind blies aber die Nudeln immer wieder vom Löffel in seinen Bart hinein. Da wurde der Bauer narrad (=zornig) und bruddelte seine Frau an 'Du Rindviech, woisch Du denn nedd, dass i koi Nudelsubb mag, wenn an Wind gohd?'.


Als die Kartoffeln in einem Jahr besonders groß und schön geraten sind, meinte ein Pfarrer zu einem stadtbekannten Nörgler, nun müsse doch auch er mit dem Herrgott zufrieden sein. 'Ja, scho, Herr Pfarrer, abbr dia kloine Grombira fir d`Säu fehlad äba."


Nach einigen schlechten Weinjahren schlägt der Sohn dem Vater vor, die Rebstöcke herauszuhauen und dafür ewigen Klee zu sähen. Widerwillig stimmt der Vater zu.
Als nun die Weinbergterrassen voll ewigen Klee stehen, kam ein Weinjahr ohnegleichen.  - Jammert der Alte "So, jeddz könnad'r Eirn ewiga Klee saufa !"


Immer im Guten


Ein Dame aus besseren Kreise hat sich im Tübinger 'Gogen'-Viertel verlaufen. Suchend läuft sie hin und her - da öffnet sich im dritten Stock eines Hauses das Fenster und eine Wengerter-Frau ruft heraus 'Sia, do wird fei nirgends nobronzd'.


Eine schwangere Frau windet sich kurz vor der Niederkunft in den Wehen und beklagt dabei ihr Schicksal. Meint die Hebamme mitfühlend 'Ha, s'isch hald scho so, nei isch andersch wia naus.'


Ein zerstreuter Professor betritt (verbotenerweise) einen Weinberg zur Zeit der Lese. Ein 'Gog' (=Tübinger Weingärtner) stellt sich ihm in den Weg und schreit 'Du Dagdiad, i schlag dr glei so aufs Kabbadach, dass de aus de Ribba guggsch, wia an Aff em Käfig, i schlag de en Boda nei, dass de dr Herrgott mit dr Beisszang wieder rausziaga muaß ..'  - Der Professor erschrickt zu Tode und stammelt nur noch Entschuldigungen.  - Da beruhigt ihn der Gog mit den Worten 'Es isch jo nedd so schlemm, dromm segd mers jo em Guada!'


Im Wein liegt die Wahrheit


Bei einer Weinprobe verschwindet plötzlich ein Mann. Man sucht ihn und findet ihn in Nebenraum auf dem Boden liegend. "Isch Ihne schlechd worda, fehld Ihne was?! wird er gefragt. "Noi, noi", antwortet der Mann, "Ii hab me blos no'glegd, weil i vorher ghört hann, dass mr dr Wei em liega lagra soll."

Zwei Weinbauern sitzen beisammen und trinken Wein. Nach der zweiten Flasche sagt der eine vor dem Trinken: "Zom Wohl". Sagt der andere: "Send mir jeddz zom Schwäddza do oder zum Trenka?"

Sie "Aber Otto, der Arzt hat dir doch verboten, beim Essen Wein zu trinken!"
Er "Do hosch rechd, räum's Essa weg."

Als Herbert wieder in seine Stamm-Besenwirtschaft kommt, meint der Besenwirt zu ihm: "Gestern Abend hast Du versehentlich ein Glas Wein zu wenig bezahlt". "Des koi sei", meint der Herbert. "Der Polizischd draußa hodd au gmoind, I hädd a Glas zviel dronga".

Der beste Beweis für die gesundheitliche Wirkung des schwäbischen Weins: Es gibt mehr alte Trinker als alte Ärzte.

Warum hat ein Schwabe eine leere Weinflasche im Kühlschrank? - Es könnte ja einmal jemand vorbeikommen, der keinen Durst hat.

Der Ehemann kommt recht angeheitert vom Weinabend nach Hause. Die Gattin beäugt ihn kritisch. "Sei mer nedd bees, Schätzle", stottert er. "Es war so an luschdigr Obad ond mir hend a glois Wetttrinka gmachd." - "Merk i", meint Sie, "ond wer isch Zwoidr worda?"


Keine Berührungsängste


Zwei Marktfrauen bekommen Streit, da greift die eine in ihrer Wut zu einem herumliegenden 'Roßbolla' (=Pferdeapfel) und wirft diesen der anderen gradewegs .. in den Mund. Diese stutzt einen Moment und nuschelt dann 'Der bleibt jeddz dren, bis d'Bolezei kommd.'


Zwei Bauern reinigen die Glohgruab (=Toilettengrube) eines Bürgerhauses. Plötzlich fängt der eine an, mit einer Stange in der stinkenden Brühe zu stochern. 'Karle, was suchsch denn?', will der andere wissen. 'Ha, mei Kiddl isch mr neigfloga', bekommt er zur Antwort. - Auf den Einwand 'Dei Kiddl isch doch urald, was willschn no midd dem?', meint der Stocherer bekümmert 'Om da Kiddl isch mr's nedd, abbr en dr Dasch isch doch mei Veschbr!'


Wieso ist das Haus des Mitmenschen wichtiger als dessen Frau? Ganz einfach: 'Frauen gibt es genug! Aber Häuser sind knapp und teuer!' sagt der schwäbische Häuslesbauer!

Es war halt damals auch nicht anders wie heute, der Besitz ist wichtiger als der Mensch: Ein Bauern gibt  eine Heiratsanzeige auf: 'Suche Frau mit Traktor - Bitte Bild vom Traktor beifügen.'

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