D'Gschmäggr senn vrschieda.

Meedala - Schwäbische Eigenheiten I


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Meedala, also kleine Moden, sagt der Schwabe zu den mehr oder weniger liebenswürdigen Eigenheiten seiner Mitmenschen. Tatsächlich neigt kein Volksstamm, außer vielleicht den Briten, zu solch typischen und manchmal unverständlichen Verhaltensweisen wie die Schwaben.

Obwohl ich mich in vielen Dingen für einen in der Wolle gefärbten Schwaben halte und auch noch das uralte Bauernschwäbisch verstehen und (a bissle) sprechen kann, das so klingt, als hätte man eine Klobürste verschluckt, gehen mir doch etliche Angewohnheiten meiner Mitschwaben mitunter auf den Zeiger:


Schwäbischer Konjunktiv

Sehr viel im schwäbischen Alltagsleben spielt sich im Konjunktiv ab, also in der Möglichkeitsform.

"I däd gern zahla" oder "Kennt I zahla" stehen eigentlich für "Ich will umgehend bezahlen!", aber der Schwabe lässt sich halt immer gerne ein Hintertürchen offen, falls sein Wunsch gerade "ogschiggd isch" und nicht zeitnah umgesetzt werden kann.

Und das setzt sich fort: "Frailein, I däd gern zahla" - wird oft  beantwortet durch "I däd glei zom kassiera komma", sprich: zum abkassieren an den Tisch kommen.

"Was häddad Sie gern?", fragt die Verkäuferin, und dann auch noch  "Derfs sonsch no was sei?" und der Kunde antwortet "Noi, des wärs".

"Was häddad Ihr Eich zu Weihnachta gwünscht?", fragt man seine Lieben und meint damit: "Falls ich erwäge, Euch was zu schenken, wenn es nicht so teuer ist!"

"Mr müasst Wei'aus am Keller hola", und weiter gedacht: ".. wenn  jemand zufällig sowieso dorthin geht.." - meint ganz klar: "Mann, geh sofort in den Keller und hole eine Flasche Wein!".

"Häbad mir morga en d'Stadt geha könna?" bedeutet ebenfalls für  einen gut gezogenen Ehemann, sich am nächsten Tag ohne Murren in den städtischen Trubel zu stürzen.

Da bleibt nur noch die Frage: "Häbad Sie des jetzt gern glesa?"

Thema: Schwäbische Entschuldigungen

Erwarten Sie von einem Schwaben nie eine Entschuldigung, schon gar keine wortreiche. Angenommen, es tritt Ihnen in der Straßenbahn ein Mann auf den Fuß, dann gilt hierzulande schon ein kurzes 'Hobbla' als ausreichende Verzeihung. Zudem wird erwartet, dass Sie diese ausufernde Höflichkeit mit dem Satz 'Isch scho rechd, isch jo nix bassierd' genügend würdigen.

Mit dem Gebrauch von 'biddschee' (bitte) und 'dangschee' (danke) spielt man schon in der Höflichkeits-Bundesliga, der normale Schwabe sagt eigentlich nur noch 'Ko e no a Bier han?' und erhält dann die Antwort 'Scho rächd, kommd glei.'


Als mir vor Jahren in einem italienischen Straßencafe in der Stuttgarter Stadtmitte ein Kellner den kompletten Inhalt seines Servierbretts über die Hose kippte, meinte der Übeltäter nur achselzuckend 'Dschuldigung' und entschwand. Auf mein weiteres Insistieren nach Hilfe beim Trockenlegen tat der Inhaber sein Bedauern mit den Worten 'Deesch mr abbr arg' kund und reichte dann Papiertücher an. Normalerweise würde man hierzulande auf so viel Freundlichkeit mit 'Dess hädds doch nedd bräuchd' antworten, aber mit nassen Hosen denkt man mehr hochdeutsch.

Inés Hermann schrieb mir  im März 2014 dazu per E-Mail:
Der Schwabe an sich tut sich ja mit den Entschuldigungen recht schwer, wie Sie ja so trefflich beschreiben. Es verhält sich ja so, dass das Wort "Entschuldigung" schon einen festen Platz im schwäbischen Alltag hat.
Jedoch ist damit nicht tatsächlich eine Entschuldigung gemeint, sondern eher eine Drohung. Zum Beispiel: "Entschuldigen Sie mal – so geht’s aber net!" oder "Entschuldigung, des isch fei mei Platz." Das bedeutet dann, wenn man nicht gleich aufsteht, dann gibt es Ärger.

Auch mit dem Lob tut sich der Schwabe recht schwer. Nach dem Motto "Net gmault, isch globt gnug" darf man kein gesondert ausgesprochenes Lob erwarten.

Ein besonderes Lob erhielt ich am Wochenende von einem meiner Söhne, nach dem Mittagessen: "Wenn no Linsa und Spätzla da sind, dann packs mer ein, bevors verkommt.". So sprach er und fuhr zurück nach Stuttgart, die restliche Mahlzeit in einem Tupper, das ich bestimmt nicht wieder sehe.


Thema: Dauerbrenner 'Ha no'

Die beiden Buchstaben H und A bilden zusammen eine der meistbenützten schwäbischen Floskeln im Alltag. Warum? 'Ha no, des isch halt so!'


Bei jedem Gespräch mit einem Schwaben über Politik oder Philosophie oder die Brezel-Preise wird garantiert der Moment kommen, wo Ihr Gegenüber den nächsten Satz mit 'Ha no, ..' beginnt. In diesem Fall hat das 'Ha no' eine bestärkende oder bedauernde Bedeutung:
'Ha no, s'isch hald älles nemme dees ..'.


Aber 'Ha no' kann auch Erstaunen, Empörung, Ungeduld oder Zustimmung ausdrücken. Manchmal verschaffen die beiden Wörtchen auch nur eine Denkpause: 'Warom lachsch denn so saudomm?'  - 'Ha no, i lach doch emmer so.'

Wo man sich andernorts aufplustert 'Das wäre ja noch mal schöner!', genügt dem Schwaben ein bedrohlich grollendes 'Ha no!'. Wo die Nichtschwäbin ihr Erstaunen in die (leider oft unzutreffende) Versprechung fasst: 'Jetzt bin ich aber wirklich sprachlos!', reicht der Schwäbin ein kurzes 'Ha no!?'.

Tollt eine Horde Jugendlicher in Straßenbahn herum, wird es nicht lange dauern, bis ein Schwabe aus einer Ecke statt 'Jetzt wird es mir aber allmählich zu bunt!' drohend 'Ha no!' grummelt. Und sollten sich die Jugendlichen daraufhin (entgegen aller Lebenserfahrung) für den Lärm entschuldigen, reicht ein kurzes 'Ha no, drom sagts mr jo em Guada.' als Antwort.

In meiner Familie pflegen die Frauen fast jedes 'Nein' mit der Formulierung 'Ha noi' zu verstärken. Das ist dann keine asiatische Stadt, sondern ein abschließendes, unverrückbares Nein: 'Ha noi, des gibts hier net, dass mr jetzt no en Disko goht!.' oder 'Ha noi, mei Mann däd des net!'.
 

Mit der Floskel 'Ha waas!', oft auch zu 'A wa!' verkürzt, zeigt der Schwabe Unwille oder Zweifel an: 'A wa, gangad Se weg, dia Heizeel-Preise bleibad so hoch!.' oder 'Ha waas, jetzt kanne gar nemme, geschdern hodds zwoi Brezzla fir an Eiro gäba ond Ih hanns nedd middgriagd!'

Thema: Samstägliches Rasenmähen

Aus mir unerklärlichen Gründen gibt es das schwäbische Gesetz des Mono-Rasismus. Das heißt am Samstag Nachmittag muss der Rasen geschnitten werden, wogegen ja nichts einzuwenden ist.


Allerdings darf immer nur ein Rasenmäher gleichzeitig in der Nachbarschaft betrieben werden, so dass nacheinander Garten um Garten in Form gebracht wird und der Lärmpegel von 14 bis 21 Uhr auf gleichbleibend hohem Niveau verharrt.


Vermutlich möchte jeder Schwabe bei der würdevollen Tätigkeit seiner Vorgartenpflege
zumindest für eine halbe Stunde die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.


Dazu gehört auch, dass natürlich kein 'elegdrischer' Mäher, sondern die getunte Turbodiesel-Version mit 5,2 PS zum Einsatz kommt. Eine Schwabe gibt im Herbst seinen Mäher nicht zum Kundendienst ('Dees koschd viel ond bringd nix'), sondern erledigt das selbst.

Ergebnis: Der Mäher ('Ja so a Glomb, a verreckts') springt schlecht an, stinkt 'wia'd Sau' und macht dann einen Höllenkrach, also "an Saugrach"

Thema: Halb ist oft mehr als ganz

Stellen Sie sich vor, ihr Auto gibt merkwürdige Geräusche von sich und sie fahren in die Werkstatt:

Der Meister beugt sich mit kundigem Ohr in den Motorraum und sagt dann: 'Dees Audo isch hee'. Seien Sie froh, die Rechnung wird sich noch im ohnmachtsfreien Raum bewegen.

Sagt er jedoch mit sorgenvoller Stirn 'Dees Auto isch halba hee.', dann wird es richtig teuer, denn jetzt ist ihr Auto 'richdig heening', also ziemlich kaputt.


'Hee' bedeutet soviel wie kaputt, erschöpft oder auch tot und ist sowohl für Dinge vom Kugelschreiber bis zur Mercedes S-Klasse als auch für Lebewesen aller Art einzusetzen. Ein wütender Schwabe wird Ihnen drohen: 'Birschle, i schlag de hee!', und das ist noch im Guten gemeint. Denn wenn er seine Drohung wahr macht, sind Sie vielleicht 'halba hee'.

Oder aber sich lachen sich 'halba hee' über diese haltlose Drohung, was den Schwaben dann wieder 'halber heeärgera' würde, also däd. Wenn meine Mutter sagt, sie sei 'emmr so hee', dann ist das kein Grund zur Besorgnis. Die stellt sich aber umgehend ein, wenn sie sagt, sie 'sei emmer halba hee.'


Auch der Dackel wird in der 50-Prozent Version gemeiner. Der Halbdackel (oder der Halbseckel) sind die bösesten schwäbischen Schimpfworte.

Bei den Worten 'Komm blos her, Dua Halbdaggl' liegen die Hiebe schon in der Luft, man kann quasi 'scho halba dia Schlägerei vor seim gaischdiga Aug seha'.


Wenn Sie den Prügeln entgehen wollen, dann sollten Sie am besten weglaufen, zum Beispiel den nächsten Berg hoch, 'so bis halba doba.'

Thema: Schaffa, schaffa

Ein Schwabe arbeitet nicht: er schafft: Beim Daimler, em Gaarda oder wia d´Sau, Hauptsache: er schafft.

Nur wenn das 'Schaffa a Gschäfd wurd', dann stöhnt man: 'Isch dees a Arbadd!'.


Wo man in Norddeutschland erst arbeitet und dann geschafft ist, wird hierzulande erst gschafft, und wenn man dann gschafft hodd, ist man hee, wenigstens aber 'halbe hee', also schlagskaputt.

Für die Arbeit im herkömmlichen Sinne haben die Schwaben ein anderes Substantiv, das von schaffen kommt: das Gschäft. Nicht zu verwechseln mit dem Gschäft im Sinne von Laden oder Profit, so pflege ich morgens nicht 'ins Büro' zu gehen, sondern 'ens Gschäft'.


Denn jedes Schwabenkind hat schon früh die Erkenntnis, dass der, der das das Gschäft hat, selten auch das Gschäft macht und man sagt daher: 'Vom Schaffe wird koinr reich.'

Aber wegen des Geldes schafft der Schwabe ja nicht, sondern weil es sich so gehört, weil es halt alle so machen.

Eine schlechte Arbeit tadelt man 'Dees isch koi Ärbad edd!' und wer die Arbeit nicht erfunden hat, 'der hodd koin Schaffgoischd.', 'isch hald nedd schaffig.'


Größtes Kompliment für eine schwäbische Hausfrau ist denn auch nicht eine Zuwendung wie 'Dia siehd jo sauguad aus!', sondern 'Ha dui ko schaffa.'


Und über eine Frau, die so gar keinen Zugang zur Arbeit findet, sagt man 'Dui macht am Bedd mee hee, als Gotts Will isch.'

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