Wenn's brässierd, soll mr nedd hudla.

Meedala - Schwäbische Eigenheiten V


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Thema: Das Kreuz mit der Uhr

Mittlerweile sage ich es nur noch im vertrauten Kreise: die Uhrzeit auf schwäbisch. Weil man ansonsten immer Gefahr läuft, nicht verstanden zu werden.


Sagt man einfach mal unbedacht 'Mir treffad ons dann om dreifirdlzehne em Kaffe', dann können zwei Dinge passieren:

Man wartet ungeduldig eine halbe Stunde auf den Gesprächspartner, weil der 10:15 Uhr verstanden hatte, oder aber man trifft auf einen ungehaltenen Gesprächspartner, weil der von 9:15 Uhr ausgegangen ist.
 

Die schwäbische Logik mit den Viertel- und Dreiviertelstunden bleibt den Nordlichtern ein ewiges Rätsel ('Dia kennad ja au nix aussr Hochdeidsch.').

Dabei wird ja die halbe Stunde dort auch so ausgedrückt: 'halber zehne' ist 'halb zehn Uhr', also 9:30 Uhr.


Wer nun die Hälfte versteht, sollte doch auch (wenn schon nicht dreiviertel) wenigstens ein Viertel verstehen. Meint: Wer 'halb zehn' versteht (der große Zeiger hat den halben Weg zur 10 hinter sich), der müsste eigentlich auch 'firdlzehne' verstehen (der große Zeiger hat 1/4 des Weges zur 10 hinter sich).


Es hilft also nur eines, sich immer mit diesem blöden 'Wir treffen uns um Viertel vor zehn Uhr' zu artikulieren, auch wenn der innere Schwabenhund 'dreifirdlzehne' sagen möchte. Eigentlich müsste man die Nordlichter mit eigenen Waffen schlagen: 'Wir treffen uns um drei Viertel vor zehn Uhr', was da wohl herauskommt?
 

So, wie spät ist es jetzt ? 'Femf noch dreifirdldrei' - Alles klar ?

Ansonsten gibts hier weitere Infos.


Thema: Hocker, hocken und Verhockte

Auf einer Messe erlebte ich mal, wie ein Schwabe einen nichtschwäbischen Kunden mit den Worten 'Komm, hoggad Se sich zu ons naa.' zum hin sitzen aufforderte. Der verdadderte Kunden schaute sich um und setzte sich dann auf einen Druckerbeistelltisch, weil er verstanden hatte, er solle sich auf einen Hocker platzieren.
 

Nachdem der Irrtum geklärt war, blieb er dann bei einem Gläsle Wein hocken, bis er beinahe verhockt wäre. Dabei ist der Kunde absolut kein Verhockter, sondern ein weltoffener Touristiker.


Ein Nicht-Schwabe wird die freundliche Aufforderung 'Hock naa!' meist als unfreundliche Geste empfinden, aber hocken ist für Schwaben halt etwas Gemütliches, für Nichtschwaben etwas Ungemütliches. 'Kommen Sie, setzen Sie sich bitte zum mir.' ist einfach zu lang, unschwäbisch, daher kürzer und prägnanter: 'Hock naa!'.


Wenn viele Schwaben zusammen hocken, wobei dabei auch Neigschmeckte zugelassen sind, spricht man von einer Hocketse, also z.B. einem feuchtfröhlichen Zusammentreffen bei einem Fleggafeschd, also einer dörflichen Festivität. Dort kauert man dann an engen Biertischen wie auf einem Hocker (braucht also Rückgrat, wenn man sich nicht am Hintersitzer abstützen kann), fühlt sich nach 2 Stunden total verhockt 'em Greiz' und hat meist auch schon einen hocken, dem Trollinger sei Dank.


Zum Leidwesen der 'Verhockten' zieht heutzutage oft ein Curry- oder Kebabduft quer über die Hocketse, weil man nur mit Roter Wurst und Kartoffelsalat einen weitgereisten Schwaben nicht mehr glücklich machen kann.

Die Verhockten bruddeln dann in ihr Bier, dass 'älles nemme dees isch und sich heidzudaag ällas auf dr Hoggetse noohogga derf.'


Aber wenn dann auch die Verhockten auf der Hocketse einen hocken haben, dann treibt die einigende Kraft des Trollingers zu wunderlichen Freundschaften und mancher Schwabe lässt sich (zu hinter her bereuten) Einladungen hinreisen wie 'Hoggad Se naa, derf´e Sia uff a Gläsle Roodwei einlada?'.


Thema: Sau, Saugladd und 'Sau Dande'

Der Schwabe mag die Sau gerne auf seinem Teller in mannigfacher Zubereitung. Aber mag die 'Sau' auch vor, mitten oder am Ende von Worten, aber der Reihe nach.


Transitiv oder nicht transitiv macht den Unterschied: 'Hosch recht gsaued!' ist etwas völlig anderes als 'Bisch rechd gsaued?'. Die erste Fassung ist die Feststellung, man hätte wohl einen rechten Schweinestall angerichtet, also alles total versaut und durcheinandergebracht.

Während die zweite Form die Frage enthält, ob man sehr hat rennen müssen. 


'Sauen' ist die schwäbische Form des 'Schnell-Laufens', der 100 Meter-Lauf müsste hierzulande also eigentlich 'Honderd-Meedr-Saua' heißen.

Mit den Worten 'Sau, Dande, sau!' gibt man seiner geliebten Tante keineswegs böse Widerworte, sondern ermuntert sie zu rascherer Gangart, zum Beispiel um den Bus noch zu erwischen.


Was wäre der Schwabe ohne die 'Sau' als Vorsilbe? 'Ha. do däd´r saubleed doschdanda!'.


Die 'Sau' vorne dran steigert den Wert des folgenden: Saudackel, Saukerle, Saumensch, Saubua, Saukopf, aber auch saugut, sauschlecht, saudumm, sauglatt, saumäßig. Saumäßig wird neuerdings auch durch 'wia´d Sau' ersetzt, was 'i saumäßig luschdig find'.


Auch in Verben findet sich die 'Sau'. 'Deand ihr sauhondla?' werden kleine Kinder gefragt, die sich gerade von oben bis unten mit Dreck beschmieren. Handelt es sich dabei um Schweinemist, kommt unweigerlich die Feststellung 'Ihr saualad scho saumäßig, ab in d´Wann, ihr Saubuurschd!'.
 

Wenn der Bäcker eine Preiserhöhung vornimmt und dadurch eine Brezel 'saudeir wurd', dann schlägt mancher Kunde einen 'Saugrach'. Auch wenn der wackere Bäcker seine Entscheidung mit den Worten 'Brezl-Macha isch fei a Saugschäfd' verteidigt, 'bei deam Sauhond' kaufen wir nie mehr. Schließlich haben wir eine 'Sauwuad em Ranza.'


'Dees Kapiddl isch jeddz abbr saumäßig lang worda !', aber ich hoffe, Sie müssen nicht konstatieren,  'do kommd ja koi Sau drauss.'

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schwäbisch schwätza

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schimpfomat
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schwaben-uhr
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schwäbisch schreiba

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