D'Häusr schderbad nedd, abbr d'Leit.

Schwäbische Handwerker


Schwäbische Handwerker haben seit vielen Jahrzehnten den Ruf, besonders akkurat, penibel und kreativ zu sein, ... insbesondere natürlich auch bei der Rechnungsstellung.


Akkurat
: 'Dia Heizong duad`s nemme lang' heißt im Klartext: Am besten gleich einen neuen Kessel bestellen, denn der Alte wird genau in 4 Wochen, drei Tagen und 2 Stunden den Geist aufgeben .. und der Neue kommt erst in 8 Wochen. Fazit: Hoffentlich ist nicht Winter!


Penibel
: 'Do brauchad mir zwoi dreiviertdel Zoll Flansch aus Kupfer, an femffach gedrillda Messingdraht und drei lange Stahlschrauba. Koschdaponkt fir Sia so zirka 300 Euro. Wenn se koi Rechnung brauchad langad au 200 Euro ond i fang glei oo.'


Kreativ
: 'Do fahrat mir mit ra schwera Walz ganz leicht drieber' meinte ein Polier zu dem Problem, wie ein Gehweg sinnvoll zu planieren sei.


Schwäbische Handwerker sind also wahrhaft begnadete Künstler und als solche eben auch nur schwer zu bekommen.


Andreas Rapp, ein Exilschwabe aus Winterbach i. Remstal, der nunmehr seit 4 Jahren dank oder wegen der Bundeswehr quer durch die Republik tingelt (Franken, Nordbadisch Sibirien also TBB, Aachen, Munster, Dresden und jetzt seit über einem Jahr München) stellte mir zum Thema die folgende, sehr bezeichnende, Geschichte zur Verfügung:


Vor ca. 10 Jahren sollte bei uns daheim ein maßgefertigtes Regal zwischen Schrankwand und der nächsten Wand eingebaut werden. Den Auftrag bekam, wen wundert's, einer meiner Onkel väterlicherseits, Schreiner seines Zeichens und ein urschwäbischer Bruddler und Viertelesschlotzer vor dem Herrn. 

Man hätte wahrscheinlich einen anderen Schreiner billiger bemühen können, aber 'Nochh'r siehgd'rs no, on no isch Hai honda!' Verwandtschaft muss halt auch so gepflegt werden. Nach vielem hin und her und vielen Verzögerungen war der große Tag endlich gekommen; die Teile waren zugesägt und es konnte Eingebaut werden (natürlich irgendwann abends gegen achte, man musste ja am Tag noch Schaffen und Geld verdienen). 

Es kam wie es kommen musste; der Onkel war mies gelaunt (nicht bösartig gemeint, so ist er halt, ond m'r muas'n nemme wie'ner isch, außerdem hatte er noch nicht g'veschberd) und machte sich nun zusammen mit meinem Vater auch gleich entsprechend an die Arbeit. Zunächst wurde das Regal zusammengeschraubt und aufgerichtet. Irgendwie hatte aber niemand beachtet, dass das Ding bis zur Decke gehen sollte und sich nach mathematischen Grundsätzen gar nicht aufrichten lassen konnte. 

Nun, mies gelaunt, unzählige Verwünschungen ausstoßend ging es dann doch. Am nächsten Tag mussten zwar die Riefen aus der Decke gespachtelt und neu gestrichen werden, aber das war nicht so wichtig. Dieses Ereignis gleich zu Beginn des Unternehmens verschlechterte die Laune meines Onkels zusehends, er war jetzt wild entschlossen dieses Glomp mit Hilfe massiver Gewalt ohne Rücksicht auf weitere Verluste möglichst schnell an seinen Platz zu bringen. 

Damit noch nicht genug: als nächstes stellte sich heraus, dass an der Rückseite des Regals eine Aussparung für Sockelleiste und Kabel vergessen worden war. Nun wirklich genervt wurde das Regal wieder umgelegt (um die Decke machte sich zu diesem Zeitpunkt nun wirklich keiner keiner mehr Gedanken) und höflichst nach einer Säge gefragt: 'Breng m'r mol a Säg!' 

Mein Bruder holte nun eine Säge, die vom Fachmann auch gleich wohlwollend in Empfang genommen wurde: 'Wa'sch'n dees? Midd dem Scheiß kosch Babier säga!' 

Nachdem die Aussparungen gesägt und das Regal wieder aufgerichtet war (Jetzt war die Decke wirklich ruiniert aber m'r muass ja dangbar sei, dass'r's ieberhaubt machd) stellte sich gleich das dritte Hindernis in den Weg: 

Irgendwie musste das Trumm noch unter der Vorhangschiene durch (jawohl, oine vo denne o'gattige Denger, wo de zwoi Vorheng ond zwoi Gardina gleichzeidig nohenga kosch, ab'r dees isch a andre G'schichd). Mein Onkel war nun wirklich mies gelaunt und suchte nach einer Lösung, die nicht die halbe Einrichtung in Schutt und Asche legen würde. 

Er beschloss, unwillig und laufend bruddelnd, die Schiene abzuschrauben, machte sich mit dem Schraubenzieher an die Arbeit und machte eine schreckliche Entdeckung, die zusätzlich zu seiner Laune, die nun wirklich auf dem absoluten Nullpunkt war, auch noch seine Handwerkerehre auf's tiefste verletzte: 

Die erste Schraube drehte durch! Da war gepfuscht worden! Er steckte den Schraubenzieher in die Hosentasche und nach kurzer Noddelei und mit einem 'Des Glomp hebd doch nix! Do missad Fischer- Diebel nei!', riss er die über 3 Meter lange Schiene, die nun dort seit 20 Jahren hing und nie Anlass zur Kritik gab, mit einem einzigen Ruck, mitsamt den Dübeln und 2 Pfund Putz von der Decke. 

Vater stand wortlos daneben, ich schmiss mich zusammen mit meinem Bruder weg vor Lachen und meine Mutter, die als halbneig'schmeckde (im Ländle geboren und aufgewachsen aber Sudetendeutsche Eltern) nie ganz mit der Verschrobenheit ihrer angeheirateten, urschwäbischen Verwandtschaft klarkam, war kurz davor einen schwarzarbeitenden schwäbischen Schreiner, der jetzt drauf und dran war, die gesamte Einrichtung mutwillig zu zerstören, achtkantig aus ihrem Wohnzimmer zu schmeißen, Verwandtschaft hin oder her. 

Sie besann sich noch einmal und tat das einzig diplomatisch richtige: Mit zuckersüßer Stimme fragte sie: 'Mechded ihr ned amole a Peisle macha? I däd no au gschwend a Veschbr herrichda.' 

Und das war die Erlösung. Eine Stunde und 2 oder 3 Viertele Trollinger später, mit amma volla Ranza ging die Arbeit dann auf einmal in gelöster, fast heiterer Stimmung ganz entspannt weiter. Nach einer viertel Stunde war das Regal ohne weitere Beschädigungen an der Einrichtung vollends eingebaut und man konnte an die Aufräumarbeiten gehen und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Und die Moral von der Geschichte: Handwerkliche Aufträge werden auch weiterhin an die Verwandtschaft vergeben, nur gibt's jetzt die Viertele vor der Arbeit.

neues im wörterbuch

Mehr Komfort und mehr Treffer mit einer neuen Suchabfrage, siehe hier.

 

Bei den Verben wird jetzt die Konjugation und die Perfektform angezeigt.


schwäbisch schwätza

kann man jetzt wörtlich nehmen und im Lexikon alles auch anhören.
Mehr dazu hier.

schimpfomat
1000 Kombinationen an schwäbischem Schimpf  stehen zur Wahl,  mehr dazu hier

schwaben-uhr
Alle Uhrzeiten gibt es auch 'uff Schwäbisch',  mehr dazu hier


schwäbisch schreiba

Infos zur Umsetzung von der Aussprache in die Schrift  finden Sie hier.

wer isch au dees?

 

Impressum


 

Startseite    |   Top    |   Impressum