Mr ko koin Furz, uff a Breddle nagla

Meinungen zu schwäbischen Kehrwoche IV


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Mit der Kehrwoche ist das so eine Sache, vor allem für Zugezogene

Gefunden im Internet:

Solange es Schwaben gibt, wird's eine Kehrwoche geben. Den einen zur Freud', den andern zur Plag'. Kehrwoche, das ist oft nicht nur Fegen. Das kann auch heißen: Schneeschippen, Treppewischen, Fensterputzen. Und wenn's über Sinn und Unsinn solchen Tuns unterschiedliche Auffassungen gibt, dann kann's innerhalb einer Hausgemeinschaft schon mal krachen.

Nehmen wir eine ordentliche und vorzeigbare Remstal-Gemeinde - sagen wir Korb. Und nehmen wir an, es stünde da, schön plaziert unterhalb der Weinberge, ein Acht-Familien-Haus. Wer da einzieht, kann eigentlich nichts falsch machen, hat sich auch ein unverheiratetes Paar, sie 29, er 36, gedacht. Weit gefehlt, wobei das "Gefälle" zwischen im Haus lebenden Eigentümern einerseits und Mietern andererseits an sich noch kein Problem wäre. Wenn, ja wenn da nicht die Kehrwoche wäre, deren pünktliche und pingelige Einhaltung von einer als Hausverwalterin eingesetzten schwäbischen Hausfrau und Wohnungseigentümerin vor allem bei den Mietparteien mit Argusaugen überwacht wird.

In diesem schwäbisch-ehrenwerten Haus herrscht Ordnung. In doppelter Hinsicht. Gleich zwei Kehrwochenschildchen machen die Runde. Eines für die kleine Kehrwoche, das unter den Parteien auf dem jeweiligen Stock kreist, auf dass es vor der eigenen Eingangstür und bis hinunter zur nächsten Etage immer blitzt und blinkt. Und eines für die große Kehrwoche, das im Haus im wöchentlichen Rhythmus von Türe zu Türe wandert und mit dem ein ganzer Katalog von Aufgaben verbunden ist. Das fängt zwar auch an mit dem klassischen Kehren und Säubern rund ums Haus, geht dann aber weiter mit dem Treppennasswischen hinunter in den Keller, hört nach dem Putzen der Fenster im Treppenhaus und in der Waschküche immer noch nicht auf, sondern schließt auch noch das Abwaschen aller allgemein zugänglicher Türen und der Briefkästen ein. Und wenn's schneit und friert, dann heißt's frühmorgens heißa hinaus in das frische Weiß und auf rutschiges Eis und weg damit.

Ein Idyll also für eine schwäbische Kehrwochenfanatikerin. Nicht aber für jemand, der die ganze Woche zur Arbeit geht und deshalb - das Schneeräumen mal außer acht gelassen und gewisse Versäumnisse da durchaus auch eingestanden - nicht einsieht, warum er einen geschlagenen halben Tag lang teilweise gar nicht vorhandenen Dreck wegputzen soll. Wer - zumal in der Waschküche - putzt schon jede Woche seine Fenster auf Hochglanz? Ganz davon abgesehen, dass die in diesem reinlichen Haus mit eisernem Besen und öffentlich zum Aushang gebrachten Sticheleien und Pöbeleien ("Kehrwoche und Schneeräumpflicht - nein danke!") durchgesetzte Kehrwoche nicht an einem beliebigen (freien) Nach- oder Vormittag, sondern obligatorisch am Samstag stattfindet (an dem früher auch noch der schwäbische Nationalbadetag war). Da ist die Hausgemeinschaft vereint, da lässt sich dem andern leichter und Finger schauen. Sehen und gesehen werden, das ist schwäbische Kehrwochenmentalität.

Aber wehe, eine(r) spurt nicht: Dann ist's nur noch ein kurzer Weg bis zur natürlich nicht im direkten Gespräch, sondern im Treppenhaustratsch geäußerten Androhung, man werde bei der nächsten Eigentümerversammlung einen Antrag auf Fremdreinigung stellen - zu Lasten der kehrwochenmuffelnden Partei. Die sich ihrerseits über soviel "Engstirnigkeit und Dummheit" nur wundern kann und sich deshalb hilfesuchend schriftlich an den Wohnungseigentümer gewandt hat. Zum einen mit der Klage über schikanöse, an Mobbing grenzende Machenschaften der Verwalterin, zum anderen mit dem Hinweis darauf, dass sich so eine echte Hausgemeinschaft nicht entwickeln könne.

Mobben oder gemobbt werden - ist das die schwäbische Überlebensfrage? Wie halten Sie's persönlich mit der Kehrwoche? Sind Sie ein leidenschaftlicher Anhänger und fühlen sie sich zu einer Verteidigungsrede dieser urschwäbischen Errungenschaft bemüßigt? Sind sie ein entschiedener Gegner und bereit zur mutigen Kampfansage auf dieses schwäbische Relikt? Die Kehrwoche - schwäbische Tugend oder schwäbische Unart? Schreiben Sie - vielleicht in einer ruhigen Viertelstunde während der Feiertage - Ihre Meinung an den Zeitungsverlag Waiblingen (Redaktion), damit wir eine gründliche Leserinnen- und Leserdiskussion führen können, um ein für allemal oder doch zumindest wieder für einige Zeit umumstösslich klären zu können, ob die Tradition der Kehrwoche wenigstens im Remstal noch fest verankert ist. Oder ob's schon so weit ist, dass Reigschmeggde wie die Kollegin aus Wiesbaden frei heraus und unsanktioniert sagen dürfen, die Kehrwoche sei "der größte Schwachsinn".

 


Kleine Kulturkunde für Zuziehende nach Süddeutschland

Gefunden im Internet:

Nach einigen Wochen im Süden lebend denkst du, du hast alles erlebt, was zu einem Kulturschock dazu gehört, aber nein, auch nach zehn Jahren, gibt es immer noch Situationen, in denen du als Nordlicht (schließlich bist du oberhalb von Ulm geboren, da fängt der Norden Deutschlands an) unermüdlich jedes Fettnäpfchen erwischst, obwohl du inzwischen ja schon immer sehr auf der Hut bist, dich den ortsüblichen Gegebenheiten anzupassen, um dich bloß nicht gleich als Neig'schmeckte zu outen.

Schon bei der Unterschrift des Mietvertrages fällt dir das Wort "Kehrwoche" auf, das bislang noch nicht zu deinem Wortschatz gehörte. Du lässt dir also von deinem Vermieter in einer fast unverständlichen Sprache erklären, dass du dich um die Sauberkeit des Hauses auch außerhalb deiner Wohnung penibelst zu kümmern hast. Treppenhaus putzen ist jetzt noch nichts Ungewöhnliches, das hast du ja schon mal gehört, dass es Häuser gibt, in denen man das machen muss, aber jeden Samstag die Straße kehren, ist dann doch schon sehr gewöhnungsbedürftig.

Überhaupt ist der Samstag der Schafftag. Du freust dich auf dein Wochenende und gehst am Samstag gerne mal zum Bummeln in die Stadt oder auf den Markt und hinterher vielleicht noch mit ein paar Freunden was trinken oder legst dich einfach in die Sonne mit einem guten Buch. Weit gefehlt! Am Samstag wird in Süddeutschland mehr gearbeitet als in der ganzen Woche und es ist der lauteste Tag der Woche. Da wird das Auto geputzt, auch wenn es vor der Haustür eigentlich verboten ist, der Garten verschönert, hunderte von Rasenmähern werden gleichzeitig angeworfen, Hecken geschnitten (natürlich mit der Motorsäge), Holz für den Kachelofen gehackt, und vor allem wird nach aller Arbeit die Straße gekehrt, denn am Sonntag muss es ordentlich im Ort sein.

Überhaupt scheint das Wort "schaffe" nicht nur einem Lied zu entstammen, sondern der Lebensinhalt der meisten Südlichter zu sein. Nie siehst du eine Hausfrau ohne Schürze außerhalb des Hauses, denn sie ist immer beim schaffe. Auch wenn sie gerade mit der Nachbarin am Zaun steht und klönt, hat sie einen Besen in der Hand, oder eine Harke oder eine Schaufel, damit nur nicht der Eindruck entsteht, sie fröhne dem Müßiggang.

Mein kläglicher Versuch mal eine Nachbarin dazu zu überreden, sich zum Unterhalten doch auf meiner Terrasse zu treffen und ein Tässchen Kaffee zu trinken, erntete nur unverständliches Kopfschütteln und die Worte: "So mitten am Tag sitzt man doch nicht auf der Terrasse".

Dabei fällt mir ein, eigentlich sitzen die Südlichter seltenst auf ihrer Terrasse, denn am Samstag haben Sie ja keine Zeit wegen dem "schaffe" und am Sonntag geht man ja die nahe Verwandtschaft besuchen um sich dort den Bauch vollzuschlagen. Essen im Restaurant ist übrigens verpönt, denn schließlich ist jede Südhausfrau selbstverständlich die perfekte Köchin, die jedes Gericht mit Leichtigkeit auf den Tisch zaubert. Dass sie deshalb am Sonntagmorgen vier Stunden in der Küche verbringt, fällt den meisten von ihnen wohl nicht mehr auf.

Also blickst du im Süden unserer Lande auf Häuser mit perfekt angelegten Gärten, supersauberen Autos, megaordentlichen Terrassen und vor allem auf Fenster mit allen Arten von Gardinen, die der Erdball zu bieten hat, denn Gardinen sind eminent wichtig für ein ordentliches Haus.

Gut, du bist ein Nordlicht und magst Gardinen nicht, dann beschaffst du dir Metallrollos, die zum einen gut aussehen und zum anderen ihren Zweck als Sichtschutz durchaus perfekt erfüllen. Was passiert? Wenn du großes Pech hast, so wie wir, bekommst du Besuch vom Bürgermeister deiner Gemeinde, der dich darüber in Kenntnis setzt, dass die Nachbarschaft sich über die unsittliche Fensterabdeckung beschwert hat und es nett wäre, wenn wir uns mit ordentlichen Gardinen doch bitte dem Ortsbild anpassen. Der Bürgermeister ist jung und grinst, aber trotzdem traut er sich mit so was zu uns, obwohl im nächsten Monat Bürgermeisterwahlen sind.

Vorsichtiges Nachfragen in der Nachbarschaft ergibt dann aber, dass speziell eine Dame ihren Gatten mehrfach dabei erwischt hat, wie er im Garten stand und in unsere nicht ganz geschlossenen Rollos glotzte. Das bringt mein Weltbild doch wieder etwas mehr ins Lot, denn nun mache ich die Rollos extra nicht mehr zu und erleuchte doch gerne die Zimmer dahinter besonders hell. Irgendwann wird sie sich dran gewöhnt haben.

Soweit zum Kulturschock im Süden, der natürlich noch durch weitere Fortsetzungen zum Thema Beruf, Arbeitseinstellung, Speisen und Getränke usw. ergänzt werden kann und eventuell auch wird.

Eine Bitte noch an alle Nordlichter: Denkt immer daran, ihr seid die Neig'schmeckten, die eine gewachsene Kultur vorfinden. Auch ihr werdet und sollt diese Kultur nicht verändern!!!

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