Wer nedd weid her isch, hodd au nedd weid hoim   (Übersetzung hier)

Meinungen zu schwäbischen Kehrwoche VI


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Leider hat sich die Kehrwoche auch schon in den USA herumgesprochen und es geistern folgende Schreckensbilder durchs Internet:
Original unter : langlab.uta.edu/German/lana.rings/rings/cleanessayproperty.htm


And if you came into the hallway--often the landlady would be sitting there as a concierge in the hallway and would ask you please to wipe your feet one more time, because it was raining outside and she didn't want the floors ruined. So even if you'd already wiped your feet, you had to go back and do it one more time to show her that she was in charge. And all my guests were always questioned why they were coming and how long they would stay. And once a week, well, we had to do Kehrwoche (kehr- 'scrub', Woche-'week') in South Germany.


The North Germans don't have this lovely habit, which is to clean the stairs and hallways, to wash the floors, dust things in the public hallway where people enter the apartment building. And people live in fear constantly, in South Germany, of losing their apartment if they should be ill and not be able to clean when it's their week, or they're afraid to travel. What if it snows and I can't shovel the snow that week? This is a condition for breaking your contract. For instance, my boss at my first company would never take a winter vacation because of the snow that she had to shovel on the weeks that she had this Kehrwoche.


This was a common topic in conversation, a filler: Well, how are your relationships to your landlady? And how's the cleaning going? And what did she make you do this week? People spent a lot of time when they first got together, talking about these kinds of problems. And the important thing was to be seen doing it. If I cleaned before people got up on Saturday morning, for instance, and it was all sparkling and dry, everyone in the apartment building would knock on my door and ask if I had done it yet. And I'd say, "Yes, can't you see?" Well, I learned what they wanted to see was me on my hands and knees scrubbing the steps. Right? And since everybody had this problem, they all felt they had to watch everybody else and see if they did a good job, too. So if you had done the stairs beautifully, but you'd missed those windows on the landing, they would tell you, "Well, the windows weren't clean enough on the landing. Could you do them one more time?"


So you'd be thinking of the revenge you could take on them next week when they had the Kehrwoche. Well, I'm exaggerating a little bit, but--Definitely, the thing to do is never live in a building where the landlord actually lives there, because there's just no end to the power these people think they can have.

 


Den (manchmal) ungewollt kommunikativen Effekt der Kehrwoche beschreibt dieser Eintrag:


Ich wollte ja eigentlich nur von Frau Schulze die Sache mit der Kehrwoche geklärt haben.

Zum Wochenende hin mache ich mich also an die Arbeit. Mit Besen, Eimer, Handfeger und Kehrblech frisch ans Werk! Kaum ist meine Putzaktion im Treppenhaus hörbar, kommt Frau Schulze die Treppe runter und schaut meiner Arbeit zu. Sie prustet: "Vergessen Sie nicht, das Treppengeländer abzuwischen, die Fußmatten auszuschütteln und der Trittstein vor der Haustür muss geschrubbt werden, aber nicht im Winter, sonst fällt noch jemand!" - "Keine Panik, ich werde das schon richtig machen", stammele ich.

"Na ja, Sie sind ja noch ein junges Ding und haben vom Putzen noch nicht so viel Ahnung. Wenn ich Ihnen etwas zeigen soll, sagen Sie‘s nur, dann lernen Sie‘s wenigstens gleich richtig!" flötet Frau Schulze und verschwindet wieder in ihren vier Wänden.

Alte Leute können ja ganz schön nervig sein! Aber ich versuche, sie einfach zu verstehen. Vielleicht hat sie ja mit ihrem Mann nicht gerade ein leichtes Leben und als Rentner den ganzen Tag zu Hause, da ist Putzen und Nachbarn beobachten halt zum Lebensinhalt geworden.

Trotzdem nehme ich mir vor, sie davon zu überzeugen, dass auch junge Leute nett und hilfsbereit sein und vor allen Dingen auch Treppenhäuser putzen können.

Als ich zur Arbeit gehen will, kommen mir Schulzens vom Einkaufen entgegen. Sie spricht mich an: "Na, müssen Sie zur Arbeit? Es geht mich ja gar nichts an, aber wo arbeiten Sie eigentlich? Man muss sich ja schließlich über die Leute in seiner Nähe informieren." - "Ich arbeite im Supermarkt an der Kasse", sage ich. "Ach Gott, da verdienen Sie aber auch nicht die Welt, und dann die ganzen Ausgaben, Miete, Auto und alles das." - "Ich hab es eilig, ich muss jetzt, wiedersehen", weiche ich aus.

Als ich abends nach Hause komme, treffe ich Frau Schulze wieder im Treppenhaus: " Wissen Sie eigentlich, dass Sie auch Rasen mähen und Schnee schieben müssen, Fräulein?" - "Jetzt ja", sage ich trocken. Frau Schulze macht mit mir einen Rundgang ums ganze Haus und zeigt mir, wo ich Rasen zu mähen habe und wo ich Schnee schaufeln muss.

Also besorge ich mir Rasenmäher und Schneeschaufel. Ich habe zwar noch nie Rasen gemäht, aber einmal ist immer das erste Mal und Übung macht den Meister!

 


Kunstaktion auf dem Schlossplatz, putzen als gesellschaftliches Gesamtphänomen


Von Mittwoch, 25.03.1998 bis Samstag, 28.03.1998 putzen in Stuttgart zwischen 3.000 bis 5.000 Menschen für ein sauberes und sicheres Stuttgart. Wir, Künstler aus Stuttgart, haben am Mittwoch zur Eröffnung von OB Schuster eine Kunstaktion auf dem Schlossplatz integriert, um gegen diesen Sauberkeitswahn (der alles beinhaltet) zu protestieren und aufzudecken

In Stuttgart hat sich eine Gruppe von Künstler zusammengefunden, die es sich zum Ziel macht, die bundesweite Kampagne "kein mensch ist illegal" zu unterstützen und mittels künstlerischer Arbeit Einfluss auf politische und öffentliche Diskussionen zu nehmen. Als Auftakt verschiedener Aktionen und Projekte der Stuttgarter KünstlerInnengruppe integrieren wir am 25. März 1998 auf dem Schlossplatz Körpersilhouetten mit der Aufschrift "kein mensch ist illegal".

Auf diese Art appelliert und symbolisiert die Aktion "Schattenmenschen" für ein menschenwürdiges, das heißt kommunikatives und gleichberechtigtes Zusammenleben im öffentlichen Raum einzutreten.

Mit dieser Ergänzung zu "Let's putz Stuttgart" wollen wir das gedankliche und praktische Konzept des Fördervereins "Sicheres und Sauberes Stuttgart e.V." direkt und kritisch hinterfragen"

Wir hatten 60 weiße Platten (Pressspanholz, 55 x 54 cm groß), 59 Platten wurden mit einer menschenähnlichen Figur besprüht, eine Platte nur mit der Aufschrift "kein mensch ist illegal", und eine von den 59 Platten wurde gerahmt, mit einem Messingschild mit der Inschrift: Schenkung an die Galerie der Stadt Stuttgart, Aktion "Schattenmenschen" und einem kleinen Aufkleber "kein mensch ist illegal" verziert.

Ein Künstler hatte einen großen Affen aus Pappmache um den Hals gebunden, einen Besen in der Hand und auf den Rücken einen Recorder geschnallt, aus dem monotone Musik kam, zu der er sich sehr langsam bewegte und dabei kehrte. Der Affe stellt für den Künstler "vielleicht" den Staat dar, der den Bürgerinnen im Nacken sitzt.

Diese 59 Platten wurden nun schachbrettartig auf dem Schlossplatz kurz vor 15.00 Uhr am Mittwoch, 25. März ausgelegt. Als die Platten lagen, kam der oben beschriebene Künstler kehrend zu den Platten und lief immer wieder um dieses "Schachbrett" herum.
 

Kurz nach 15.00 Uhr trat OB Schuster auf den Plan, bereit für Presse und sein Volk, letztere beachteten ihn allerdings kaum, den Besen in die Hand zu nehmen und zu kehren. Bevor er aber zum Besen griff, überreichten wir ihm die gerahmte Platte. OB Schuster bedankte sich artig und stellte sich mitsamt Platte der Presse für ein Photo zur Verfügung. Danach kehrte er ein wenig den "Müll" beiseite. Anschließend baten wir ihn noch, doch auch neben diesem "Kunstwerk: kein Mensch ist illegal" für ein Photo zu kehren. Und er tat es.

Vereinsgründer Schuster, der Ängste als Mittel der Politik erkannt hat, schreitet auch hier sofort zur Tat und bläst zur kollektiven Kehrwoche unter dem Motto "Let's putz".

Schwierige Zeiten also für Illegalisierte und andere Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, denn in Stuttgart hat man für jeden Sündenbock den 'rechten' Besen zur Hand.

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