Dr Hongr dreibds nai ond dr Geiz bhälds donda!   (Übersetzung hier)

Meinungen zu schwäbischen Kehrwoche VII


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Es gibt Vorurteile, die sind keine Vorurteile,weil die Wirklichkeit die Vorurteile aufs heftigste übertrifft.

Keine Kunst zu raten, worüber ich da als nach Stuttgart umgesiedelte Norddeutsche wohl schreiben muss: natürlich über den hiesigen Putzwahn.


Original ehemals unter: http://www.localglobal.com/rosensteine/4.htm


Bedrückend ist ja nicht nur die Tatsache, wie oft geputzt werden muss, sondern auch mit welcher Perfektion. Gutwillig lasse ich mich noch darauf ein, dass die Fenster im Treppenhaus jede Woche gesäubert werden müssen. Aber schon bald kommt die Beschwerde, dass auch das Fensterbrett immer gewischt werden muss, "sonst wird es ja ganz schwarz". Okay, okay.

Bleibt nur noch abzuwarten, wann die findige Hausgemeinschaft mir auf die Schliche kommen wird, dass ich nicht jede Woche auch innen zwischen den aufklappbaren Doppelglasscheiben saubermache. Und tatsächlich regt sich sogar schon mein eigenes Gewissen... Ist das nun ein Zeichen von Inkulturation?


Neulich habe ich bei der Kehrwoche ganz eifrig sogar die Blätter unten in einem Regenrinnenrost entfernt. Mir kam der starke Verdacht, dass dort lange keine Putzaktivität stattgefunden hatte. Aber wie kann ich als Anfängerin, als ABC-Schützin der schwäbischen Putzkultur, schon beurteilen, wie hoch der durchschnittliche wöchentliche Blätteranfall ist?


Da beuge ich mich ehrfürchtig dem erfahrenen Weitblick der Alteingesessenen und behalte meinen Verdacht für mich.

Zum Glück wohne ich in einem sehr humanen Haus: Die Mülleimer werden zum Beispiel nur vierzehntäglich ausgespritzt.


Trotzdem träumte ich eines Samstag morgens, das Hinterteil einer fülligen Dame sei, als sie den Grund einer Mülltonne säuberte, darin steckengeblieben. Eine fürchterliche Vorstellung! Erschreckt fuhr ich hoch. Aber beruhigt sank ich zurück, als ich das vertraute Geräusch fegender Besen aus dem Hof vernahm. Das spricht doch wohl dafür, dass ich bald eingesehen haben werde, dass eben auch Norddeutsche das Kehrwochen-Ritual für ihr seelisches Gleichgewicht brauchen.



Samstags - Gespräche bei der Kehrwoche ..


" Hallo, Herr Nachbar. Wasch isch denn mit ehne los? Abber Karle, i hann de ja scho e Ewigkeit nemme g´seh! Sen er em Urlaub gwäh ? Du siehsch ja soo gelb aus, wirsch doch gar au no krank sei? Hasch dös von Eierem Urlaub mitbroacht? I hann doch glei zur Elfriede gsaggt g´het "Was wellet denn Ihr au in Südamerika bei de Indioaner! Und woas do so viel Summpf un Schlange hoat! Un was mer dauernd im Tifi sieht ibber die viele Eits-Grange in Rio unn in Kenia ! Schlimm, schlimm kann e do blos sage. Wersch der doch nedd gar bei so oinere was g´holt habbe ? "

" Abber so isch´s noa au widder, wenn ´s em Esel z´wohl wird, noche fängt er uff sei alde Dag au no oa zu verreise. Und d´s´Ländle isch scheinbar nemme gut g´nug! Dabei habbe e emmer gmoint g´het, Du hädsch Dei Mittleifkreisis scho vor 7 Joar vollends bei unserm letzte Kegelausflug "Ballermann alle Neune" mit der Sailers Carline ausdobt g´het! Sag e mol, wo senn er denn do genau gwäh? Isch dös glei hinder Teneriffa ? "

" Moensch, hasch iebriggens geschdern oabend dös G´schrei bei denne g`hört ghet? So, um de halber neine, woa er widder mit seim Balle hoamgkomme isch? Do war Schdar Dreck 17 am Samsdich Oabend en Rentnerfilm dagege, dös kann i der fei sage. Un e Viertel Schdund später hat se de Topf mit de Kuddeln un de Broatkardoffeln glatt zum Fenschder nausg´schmisse! Dabei kenne die sich does doch garnet leischde, die hen doch ´s letzte Kartoffeläckerle als Bauplatz verkauft! Abber wahrscheinlich hat er scho widder oamoal wo andersch g´veschbert g´het. Abber wenn e ehrlich bin, ii kann d´r Fritz verschdande, so wie die Carline sich in de letzde baar Joar geh lesd! "

" Komm her Karle, jetzt sage d´r was. Abber koasch au Dei Maul halte? Brauchsch´s nedd glei ibberall rumzuverzehle, gell. Vor ellem nedd Deinere Elfriede, schonsch weiss es morgen frieh sogar scho d´r Herr Pfarrer. Also, wenn´s Maul halte koasch, no sage ´s der ganz im Vertraue: I glaab, die Carline hoat en d´r Schdadt en Freind, so en ganz junge Schpund! Un der wird erre ae Haufe Geld koschde. "

" Weil d`Hechelmeiere hatt mer gsagd, dass se vorgeschdern Carline beim Metzger Häberle in d´r Seilersgass´ verwischd haeb, wie se zwei Pfund Hundefutter g´kauft hätt! Un dabei henn doch die no nie aen Hund ghett ghett! D´r arm Fritz, sie kochd em ´s Hundefudder und verjuxt de Bulver mit dem junge Kerle. Dö hatt mer d´Hechelmeiere scho vorvorletzschd Woch´ verzehlt, dass se die beide gseh ghet hoat, wo er ihre de Buggel eigschmiert hat. Unn dös am helle Samsdich middag am Endedeich im Schdadtpark! "

" Abber dös henn ihr ja garnet mitkriege kenne! Ihr seit ja s´Baesle von Deinere Elfriede in Südamerika b´suche gwäh! Verroat mer´s doch jetzt oamoal, wie enn normale Arbeiter sich does finanziell unn ibberhaupt leiste koa? I hann zum Gustel g´sagt, entweder henn se g´erbt odder im Lotto g´wonne! Weil dei Elfriede hatt mer´s nemme verroate kenne, die war ja so uffg´regt und malad wege de viele Impferei vor Eierem Urlaub. "

" Ach, un bevor e es vergess´, wie war er denn ibberhaupt, Eier Urlaub uff em Bauerhof in d´r Kolonie Germania ? Hasch wenigschdens g´nug zum Esse kriegd? Was mer do immer so em Fernseh´ sieht und was se in meiner "Latrina" so immer jede Woch´ ibber die Länder schreibe! Karle, fierchderlich, ganz fierchderlich, dös kann i der blos sage. "

" Un Du siehsch au so schlecht aus, soo griiehn im G´sicht, vor ellem um d´Nas rum ! Kannsch mer´s ruhig verzehle, wie ´s gwäh isch.
Karle, komm´, mach scho noahre, I hann abber blos no ä Minud Zeit, i sott scho seit ´r halbe Schdund beim Frisöhr sei! Hasch me jetzt lang g´nug uffg´halte unn mei Kehrwoch´ hanne au not nedd fertig g´macht.
Also, jetzd verzehl´s mer nommer, i verzehl au nix weider! Du weisch doch, Karle, jetzt kenn´sch me doch scho seit fast fierzig Joahr, i kann schweige wie ä Grab. Hano, i werd´ me doch nedd austrage lasse ! Hano, wo dät ´r mer denn do au noagkomme! "

" Was, mein Guschdel hat g´rufe ghet? Des hanne garnet g´hört ghet, erscht ´s zweite Mol. Dem werde was verzehle, wenn i me ämoal 2 Minudde mit em Nachbar unterhalte du unn er nedd oamal oimal d´Krummbiere selber uffstelle koa ! "

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