Ällas gohd, bloß d'Fresch hobbfad   (Übersetzung hier)

Schwäbischer Sprachraum

 

Seit Jahren gibt es immer wieder Streit über die Begriffe 'Schwaben' bzw. 'schwäbischer Sprachraum'.  Vielen ist dabei nicht nicht klar, dass die Bewohner Südwestdeutschlands gemeinsame alemannische Wurzeln haben, weshalb man z.B. in Stuttgart Schwäbisch schwätzt, aber das bayerische Augsburg in der Region Schwaben liegt.


Was sind eigentlich alles Schwaben ?


Das ist eine sehr berechtigte Frage. Geht man einmal nach Baden, kann man gelegentlich den Spruch hören: "Mir sin koi Schwobe, mir sin Badner." Oder in der Schweiz, da kann man hören, wie über die "chaibe Schwoba" geschimpft wird.


Da fehlt es ein wenig am völkerkundlichen Verständnis:

Der alemannische Volksstamm lebt seit den Zeiten der Völkerwanderung in dem schönen Gebiet zwischen den Vogesen und dem Lech, zwischen dem Asperg und dem St. Gotthard.

In alten Schriften wird oft zwischen Schwaben und Alemannen unterschieden, aber ganz klar, das sind zwei Begriffe für ein und den selben Volksstamm!

Denn Suevi nannten uns die germanischen und Alemanni die lateinischen Nachbarn.


Nach einem völlig berechtigten Rüffel von Christian Munz habe ich alle Teile meiner Seiten, die sich mit den Begriffen Alemannen/Schwaben beschäftigen, überarbeitet und mich dabei auf den Begriff Alemannen gestützt, schon um ganz klar zu machen, dass in Baden-Württemberg (außer den Franken im Norden) fast nur Nachkommen der Alemannen wohnen, die aber unterschiedliche Dialekte sprechen).


Der ehemalige Stamm der Alemannen ist heute in 7 politischen Einheiten beheimatet:

1) Im Elsass.
2) In Baden-Württemberg (früher waren das bekanntlich die Länder Baden,
Württemberg und Hohenzollern).
3) Im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, also zwischen Iller u. Lech.
4) In der schwyzerdütschsprachigen Schweiz.
5) Im Fürstentum Liechtenstein.
6) In Vorarlberg
7) In kleinen Sprachinseln in Norditalien, z. B. in den Siedlungen Issime oder Gressoney.

Man sieht, es gibt kaum einen zweiten europäischen Volksstamm, der in so viele politische Einheiten aufgesplittert ist. Und das liegt wohl hauptsächlich an den Alemannen selbst, welche schon immer ein sehr autonom ausgeprägtes Profil gezeigt haben. Man braucht sich ja bloß mal die Geschichte der Entstehung der Schweiz anschauen.
 

Aber jetzt nochmals zurück zu dem Problem der Badener: wenn sie über die 'Schwaben' schimpfen, meinen sie eigentlich die Württemberger. Hier wird also ein Stammesname mit dem Namen einer politischen Einheit durcheinander gewürfelt.

Den Begriff Alemannen (=Stamm) kann man vergleichen mit Sachsen, Franken, Bayern.

Der Begriff Württemberger (=politische Einheit) jedoch steht neben Begriffen wie Badener, Hohenzoller oder Schweizer.

Der Begriff Schwäbisch (=Dialekt) sollte völlig losgelöst von den Suebi/SchwabenAlemannen gesehen werden, er ist die Bezeichnung für einen Raum mit einem gemeinsamen Dialekt.

Die Württemberger sind also nur ein Teil der Schwaben (also der Alemannen..).
Aber nicht alle Württemberger sind Schwaben. So wie auch nicht alle Badener welche sind, denn die nördliche Hälfte von Baden-Württemberg ist von den (Süd-)Franken besiedelt.


Wenn ich also in Norddeutschland sage, ich bin ein 'Schwabe', dann müsste das korrekt heißen, ich bin ein 'europäischer Alemanne aus Württemberg mit schwäbischem Dialekt'.


Richtig 'Schwäbisch' gesprochen (in meinem Ostälbler-Sinne!) wird im Südwesten eigentlich nur in einem relativ kleinen Gebiet. Der Bereich umfasst den Großraum Stuttgart, das Remstal bis Aalen, die schwäbische Alb bis zur Donau und Teile des nördlichen Schwarzwaldes.

 

Die Dialekt-Grenze zwischen Schwäbisch und Badisch


Wer die Pforzheimer und ihre Sprache als schwäbisch bezeichnet könnte böse Blicke und Worte provozieren, deshalb: Pforzheimer fühlen sich als Badener (nein, keine Badenser!).

Doch ebenso Vorsicht: Wer in einen Ort nach Süden, also Birkenfeld oder Unterreichenbach oder nach Osten also Heimsheim fährt und die Leute dort als Badener einstuft, kann sich ebenfalls in unangenehme Situationen bringen: die Menschen fühlen sich dort nämlich als Schwaben!


Die Dialekt-Grenze zwischen Schwäbisch und Fränkisch/Hohenlohisch

Die "Grenze" zwischen Franken und Alemannen verläuft entlang der Linie Hornisgrinde (in der Nähe von Baden-Baden) - Asperg (bei Ludwigsburg) - Hesselberg (bei Dinkelsbühl).
 

Diese Grenze existiert, seit der Frankenkönig Chlodwig im Jahre 496 die Alemannen besiegt hat. Und bis heute, nach 1500 Jahren, kann man entlang dieser Linie die Dialektgrenze zwischen Franken und Schwaben erkennen.

"Das schwäbische Gebiet reicht nordwärts bis Nagold, Leonberg, Markgröningen, Großbottwar, Backnang, Welzheim, Gschwend, Jagstzell-Ellwangen" , stellten frühe Sprachforscher fest, aber "Seit der Jahrhundertmitte gewinnt das Schwäbische immer mehr an Boden. Es drängt sich stellenweise schon ins Gebiet des reinen Fränkisch (Löwensteiner Berge und Haller Raum) vor".

Sprachlich erkennbar sind folgende Unterschiede:

Hochdeutsch

Schwäbisch

Fränkisch

Hase

Haas

Hoos

Wagen

Waaga

Woocha

oben

ooba

oowa

sagen

saaga

soocha

Häuschen

Heisle

Haisle (Pl.: Haislich)

auch

au

aa

über

iebr

iwwr

einer

oinr

aanr

ist

isch

is

kommen

komma

kumma


Die Dialekt-Grenze zwischen Schwäbisch und Alemannisch

Das Übergangsgebiet zwischen Schwäbisch und Niederalemannisch verläuft entlang einer Linie der Städte Baden-Baden, Villingen-Schwenningen, Tuttlingen, Friedrichshafen. 

Das Schwäbische wird vom Niederalemannischen vor allem anhand "der Aussprache der altdeutschen langen Selbstlaute î, û, die in der Schriftsprache als ei, au erscheinen" , abgegrenzt:

Hochdeutsch

Schwäbisch

Alemannisch

Eis

Eis

Iis

Zeit

Zeid

Ziit

Haus

Haus

Huus

gewesen

gwää (gwääsa)

gsi


Die Grenze zwischen Schwäbischen Dialekten


Auch innerhalb des schwäbischen Kern-Sprachgebietes finden sich zahlreiche regionale Dialekte mit signifikanten Unterschieden. Zur Erklärung der sprachlichen Vielfalt des Schwäbischen sei auf die politische Struktur Südwestdeutschlands zur Zeit Napoleons, also Anfang des 19. Jahrhunderts, verwiesen, wo Karl Haag nicht weniger als "15 Landschaften, die auf dem Boden Württembergs sich unterscheiden lassen" gezählt hat, so z.B.:

Wirtenbergisch, der größten Sprachlandschaft in Württemberg, die auf das Herzogtum Württemberg zurückgeht,
Donauländisch auf dem Gebiet des alten Hohenzollern und in österreichischen Donaustädten,
Waldburgisch
etwa zwischen Biberach, Saulgau und Leutkirch,
Calwisch im nordöstlichen Schwarzwald zwischen Pforzheim, Freudenstadt und Leonberg,
Enzländisch etwa zwischen Bretten, Leonberg und Heilbronn,
Ellwangisch, "der schwäbische Eckpfeiler gegen die fränkische Reichsstadt Hall" , auf dem Gebiet der Ostalb, nördlich bis vor die fränkischen Städte Gaildorf und Dinkelsbühl reichend, sowie
Ulmisch, wie es in den alten Reichsstädten Ulm, Giengen a. d. Brenz, Aalen und Schwäbisch Gmünd beheimatet ist.

Da das 'schwäbische schwätzende' Kerngebiet also räumlich sehr begrenzt ist, dieses Gebiet aber (der mittlerer Neckarraum) zu einem der ausländerstärksten im Bundesgebiet gehört, wundert es nicht, dass der schwäbische Dialekt zunehmend weniger gesprochen und verstanden wird.


Daher ist es meines Erachtens ausgemachter Blödsinn, wenn unser Ländle mit dem Slogan 'Wir können alles, außer Hochdeutsch' wirbt, weil die meisten alles können, nur kein Schwäbisch.

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kann man jetzt wörtlich nehmen und im Lexikon alles auch anhören.

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Infos zur Umsetzung von der Aussprache in die Schrift  finden Sie hier.

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